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Schlinge für US-Koalition: Ankaras heikler Schachzug hilft Moskau und Damaskus

Türkische Panzertruppen an der irakischen Grenze (Archivbild)

Türkische Truppen haben ihren Einsatz in der nordirakischen Kurdenregion Sindschar begonnen. Der türkische Präsident Erdogan hat die Offensive am 26. März angekündigt. Vom Gelingen dieses Winkelzugs profitieren neben der Türkei auch Syrien und Russland, schreibt das Portal topwar.ru.

Das Interesse der türkischen Führung, die nordirakische Region Sindschar einzunehmen, ist umso größer, als dass deren Aussichten auf die Einnahme des syrischen Kurdengebiets Manbidsch verflogen sind. Dass Ankaras Truppen und ihre Verbündeten vorerst keinen Vorstoß auf die Stadt Manbidsch wagen, wurde Ende letzten, Anfang dieses Monats bekannt.

Die US-geführte Koalition war den Türken nämlich mit einer Gegenmaßnahme zuvorgekommen und hatte Teile von US-Truppen und DKS-Einheiten (Demokratische Kräfte Syriens) in die nordsyrische Stadt verlegt. Endgültige Klarheit haben die Green Berets geschaffen: Die US-Spezialeinheit ist zur Erkundung von Nachschubwegen und Stellungen protürkischer Rebellen bei al-Bab in die syrische Kurdenregion verlegt worden.

Diese Jungs sind keine schwachbewaffneten Rebellen, die sich den türkischen Invasoren in Nordsyrien ohne Koordination und Luftunterstützung in den Weg stellen mussten, Seite an Seite mit den Volksverteidigungseinheiten YPG. Die amerikanischen Elitesoldaten können, wenn es darauf ankommt, auf die Luftunterstützung durch die schweren Kampfflugzeuge AC-130 und die Strike Eagles der US-Luftwaffe zählen. Also lenkte Erdogan ein und fand im nordirakischen Sindschar sogleich eine passende Alternative.

Ankaras Hauptargument für einen Vorstoß im Nordirak ist die starke Präsenz von PKK-Einheiten in der Stadt Sindschar und deren Umgebung. Seit Mitte der 1980er Jahre stuft die türkische Führung die kurdische Arbeiterpartei PKK als die größte terroristische Bedrohung für den türkischen Staat ein. Damals ist die kurdische Vereinigung wegen der Beteiligung an einem Militärputsch verboten worden, auch die EU und die USA stufen die Organisation als terroristische Vereinigung ein. Auf Umwegen unterstützen sie die PKK trotzdem.

Die nachfolgenden Repressionen der türkischen Führung gegen die gesamte kurdische Bevölkerung haben den Hass der Kurden gegen die Zentralregierung in Ankara geschürt. Auf diesem Nährboden sind die Volksverteidigungseinheiten YPG entstanden, die die türkische Zentralregierung zu ihrem größten Feind in der gesamten vorderasiatischen Region erklärt haben.

Sollte die türkische Offensive gegen Sindschar nun gelingen, hätte nicht nur Ankara ein strategisches Problem weniger – auch Syrien und Russland würden von dem Erfolg profitieren. Denn dadurch würde die Verlegung leichten und schweren Militärgeräts der USA an das östliche Euphrat-Ufer aufgehalten. Auch könnten die DKS-Einheiten dann nicht länger mit Schuss- und Panzerabwehrwaffen versorgt werden.

Im Grunde würde dadurch die Schlagkraft der von US-Beratern ausgebildeten Neuen Syrischen Armee auf ein Minimum beschnitten, wodurch die syrischen und russischen Kräfte am westlichen Euphrat-Ufer einen relativen Kräftegleichstand mit der westlichen Koalition und den DKS-Einheiten herstellen könnten.

Zudem würde infolge der Eroberung Sindschars der Militärnachschub der US-Armee nach Rojava versiegen. Durch Sindschar verläuft nämlich eine wichtige Verbindungsstraße vom Persischen Golf bis nach asch-Schaddadi im Nordosten Syriens. Die türkische Offensive würde diese Arterie der US-Koalition, deren Nutzung die irakische Zentralregierung einst erlaubt hat, zuschnüren.

Noch ist Ankaras Erfolg jedoch keineswegs gesichert: Der irakische Ministerpräsident und Oberbefehlshaber, Haider al-Abadi, hat bereits angewiesen, das irakische Kontingent an der türkischen Grenze massiv zu verstärken. Um die Türken zurückzudrängen, reicht die Schlagkraft der Iraker locker aus. Bleibt also abzuwarten, ob die Türkei sich auf so ein gefährliches, aber auch verlockendes Manöver einlässt.

Quelle: https://de.sputniknews.com/zeitungen/20180329320110022-tuerkische-offensive-irak/

  1. 29. März 2018 um 17:06

    Hat dies auf 👽 INTERNETZEL rebloggt.

  2. feld89
    29. März 2018 um 17:26

    Hat dies auf volksbetrug.net rebloggt.

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