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Enthauptungsschlag gegen Damaskus: Russland gibt Kontra – USA lenken um

27. März 2018

USS Porter im Mittelmeer (Archiv)

Die US-geführte Koalition läuft sich weiter warm für einen massiven Schlag gegen die Regierungstruppen in Syrien. Die syrische Armee soll in mehreren Offensiven aus der Hauptstadtregion und den südlicheren Landstrichen verdrängt werden – wenn nur die russischen Streitkräfte den westlichen Angreifern nicht im Wege stünden.

Die westliche Koalition ballt ihre Kräfte im östlichen Mittelmeer, im Persischen Golf und auf syrischem Boden östlich und nordöstlich der Hauptstadtregion zusammen. Offensichtlich sind mehrere aufeinanderfolgende Offensiven geplant.

Erst soll die syrische Luftraumaufklärung und Flugabwehr ausgeschaltet werden. Damit wären die Regierungstruppen westlichen Luftangriffen schutzlos ausgeliefert. Gleichzeitig würden die Luftstreitkräfte der Koalition das Vorrücken der Panzerverbände und der Special Forces in den syrischen Süden sichern.

Im zweiten Schritt würden die syrischen Kommandozentralen attackiert. Hauptziel: Die Verbindungen und somit die Interoperabilität zwischen den syrischen Truppenteilen zu kappen und somit die koordinierte und kontrollierte Defensive der Regierungstruppen in der Wüstenlandschaft bei Homs und Deir ez-Zor zu verhindern.

Die dritte Etappe, auf die die beiden ersten Schritte hinführen sollen, ist eine Bodenoffensive des US-Marinekorps, der Green Berets und des britischen Special Air Service. Das Kanonenfutter – die in den Lagern von al-Hasaka trainierten Kämpfer der „gemäßigten Opposition“ sowie des IS* und seiner Ableger – soll die Zahlenstärke dieser Operation sicherstellen. Die Ausrüstung und die Ausbildung dieser Einheiten werden sicherlich von westlichen Fachleuten gewährleistet.

Nur Eines passt in diese gewaltigen Pläne der US-geführten Koalition nicht: Die kleine Überraschung, die das russische Oberkommando Washington und London bereitet hat. General Waleri Gerassimow, Generalstabschef der russischen Streitkräfte, hat die USA vor einem Raketenangriff auf den syrischen Regierungssitz gewarnt.

Alle auf die syrischen Militär- und Regierungsobjekte abgefeuerten Tomahawks würden abgefangen, kündigte er an. Mehr noch: Sollte das Leben russischer Militärs bedroht werden, würden auch die US-Kampfschiffe vor der syrischen Küste – die Trägerplattformen der Marschflugkörper – angegriffen. Ein bloßes Versprechen war Gerassimows Ankündigung nicht: Wenige Tage später ist berichtet worden, Russland habe weitere Flugabwehrsysteme S-400 nach Syrien verlegt.

Parallel dazu kommt es im Luftraum über dem östlichen Mittelmeer – genauer: über Ost- und Nordzypern – immer wieder zu Ausfällen des Navigationssystems GPS. Piloten von Verkehrsjets, deren Flugbahnen 100 bis 200 Kilometer westlich der syrischen Küste verlaufen, beschweren sich darüber immer wieder. Offensichtlich sind bodengestützte EloKa-Systeme in Stellung gebracht worden, die den Frequenzbereich des GPS vollständig abdecken.

Es ist völlig klar, dass die EloKa-Technik auch dafür eingesetzt würde, die Navigationsmodule in der Bordelektronik der Tomahawks zu stören, sollten diese auf das syrische Territorium abgefeuert werden. Auch den AWACS und Aufklärungsjets der westlichen Koalition (Boeing E-3C und RC-135 etwa) sind die Anlagen zur elektronischen Kampfführung mit Sicherheit ein Dorn im Auge.

Parallel zur russischen Flugabwehr in Syrien ist auch der russische Flottenverband im östlichen Mittelmeer verstärkt worden. Am Tag der Erklärung von Waleri Gerassimow, dem 13. März 2018, passierte die Fregatte „Admiral Essen“ – bewaffnet mit Anti-Schiffs-Raketen „Kalibr-NK“ – den Bosporus in Richtung des Mittelmeers. Wenig später folgte die etwas ältere Fregatte „Pytliwyj“.

An dieser Stelle sei daran erinnert, dass die Flugkörper vom Typ „Kalibr“ nicht nur als Marschflugkörper eingesetzt werden – es existiert auch eine Anti-Schiffs-Variante dieser Waffe, deren dritte Stufe auf Mach 3 beschleunigt und in der Anflugphase intensive Manöver vollführt, um dem gegnerischen Radar auszuweichen.

Diesen höchstagilen Flugkörper abzufangen ist theoretisch möglich – die US-Kriegsschiffe sind zu diesem Zweck mit der RIM-162 „Evolved Sea Sparrow Missile“ bestückt, aber auch sehr problematisch. Ganz zu schweigen von der wendigeren russischen 3M55 „Oniks“. Die einzige mehr oder weniger sichere Möglichkeit, die russischen „Kalibr“ und „Onyx“ rechtzeitig außer Gefecht zu setzen, sind die Aegis-Kreuzer der Arleigh-Burke-Klasse mit den Langstreckenabfangraketen SM-2 Block IVA und SM-6 an Bord. Was deren Treffsicherheit aber wiederum verringert, ist die mäßige Manövrierbarkeit.

Mehr noch: Beim Abfangen einer russischen „Oniks“, die sich hinter dem Horizont im Marschflug befindet, müssen die amerikanischen Aegis-Spezialisten sich ausschließlich darauf verlassen, dass der Suchkopf ihrer SM-6 das Ziel zuverlässig erfasst und für die Störversuche der EloKa-Truppen nicht anfällig sein wird. Auch muss dabei die Zieldatenübertragung von einer AWACS-Maschine direkt zur Abfangrakete über Funkkanäle sehr präzise ablaufen.

Wenn aber russische see- und luftgestützte Störsender die US-Abfangrakete einmal von ihrem Kurs abgebracht haben, wird eine Kurskorrektur durch das Multifunktionsradar AN/SPY-1D unmöglich sein: Ziele hinter dem Horizont können mit diesem Radar nicht geortet werden.

Daraus folgt der Schluss, dass nur acht russische „Oniks“- oder „Kalibr“-Raketen in der Hyperschallausführung ein paar US-Kreuzern der Arleigh-Burke- oder Ticonderoga-Klasse ernsthafte Probleme bereiten können. Und dabei sind die ultraleisen, schwerortbaren diesel-elektrischen U-Boote der Warschawjanka-Klasse, die sich derzeit in unbestimmter Zahl im Mittelmeer verstecken, nicht mit berücksichtigt.

Die russische Schwarzmeer-Flotte hat sechs solcher U-Boote im Einsatz und jedes davon kann bis zu zwölf „Kalibr“-Raketen aufnehmen. Drei U-Boote dieser Klasse plus die Fregatte „Admiral Essen“ könnten gemeinsam also bis zu 44 Anti-Schiffs-Raketen auf einen US-amerikanischen Flugzeugträgerverband abfeuern.

Und dann gibt es ja noch die Überschallbomber Tu-22M3, bewaffnet mit den Antischiffsraketen Ch-38, die MiG-31 mit den Hyperschallwaffen „Kinschal“ und die Suchois mit den Ch-31AD.

Zwischenstand: Die Verstärkung der Flugabwehr über Hmeimim und Tartus, Russlands Präsenz im östlichen Mittelmeer, die aktive elektronische Kampfführung haben das Oberkommando der US-Navy und die US-geführte Koalition veranlasst, ihre Strategie des massiven Raketenangriffs gegen Syrien zu überdenken, was letztlich auch die gesamte geplante Offensive hinausgezögert hat. Bleibt noch zu klären, welche Hintertürchen im syrischen Luftraum die USA und ihre Verbündeten doch noch nutzen könnten.

Um diese Frage zu klären, muss auch die vorderasiatische Region in den Fokus genommen werden. Offensichtlich führt die US-Marine keine weiteren Kräfte ins östliche Mittelmeer, sondern verlagert ihren Schwerpunkt auf die Präsenz im Roten Meer und dem Persischen Golf. Ein durchaus geschicktes Lavieren, ermöglicht doch dieser Schachzug den Kriegsschiffen der US-Navy das gesamte syrische Territorium mit Tomahawks zu beschießen, ohne dabei für die russische Antischiffslenkwaffe „Kinschal“ erreichbar zu sein, sollte diese im Himmel über Nahost auftauchen.

Für einen massiven Schlag gegen Syrien müsste die 5. Flotte der US-Navy lediglich etwas nördlich des Bab al-Mandab in Stellung gehen – das wären 2.200 Kilometer bis nach Syrien –, und von dort aus ihre Tomahawks mit der Reichweite von 2.400 Kilometern abfeuern.

Der für Russland taktisch besonders ungünstige Aspekt hierbei wäre, dass die amerikanischen Marschflugkörper den Großteil der Strecke nicht über neutralen Gewässern, sondern über das Territorium Saudi-Arabiens und Jordaniens zurücklegen würden. Die Möglichkeit, die Tomahawks rechtzeitig abzufangen, wäre den russischen Luft- und Weltraumstreitkräften dadurch bis zu einem gewissen Grad genommen.

Ein schmaler Ausweg aus dieser gefährlichen Situation würde der russischen Luftwaffe dennoch bleiben. Die russischen Frühwarnflugzeuge A-50, die über Damaskus und Homs permanent patrouillieren, können nämlich die heranstürmenden Tomahawks in einer Entfernung von 100 bis 120 Kilometern entdecken (auch wenn der Gegner Störmaßnahmen mittels EloKa-Flugzeugen ergreift).

Eine einfache Rechnung zeigt, dass den Abfangjägern der russischen Luftwaffe dadurch acht bis neun Minuten bleiben würden, um die vom Persischen Golf kommenden US-Raketen im Zielanflug abzufangen. Dafür würden beispielsweise die Langstreckenjäger MiG-31BM eingesetzt werden. Drei Gruppen à drei Maschinen dieses Typs, von den A-50-Frühwarnflugzeugen ins Ziel geführt, könnten innerhalb weniger Minuten bis 96 Marschflugkörper liquidieren. Dies würde den Tomahawk-Angriff aus dem Persischen Golf um circa 30 Prozent schwächen.

Es müssten also weitere Kräfte hinzugezogen werden: Die in Hmeimim stationierten Mehrzweckjäger Su-30SM und Su-35S sowie die Flugabwehrsysteme S-300W4 und S-400. Bis zu 60 Prozent der abgefeuerten Marschflugkörper könnten damit vernichtet werden.

Doch enthält die Taktik der US-geführten Koalition eine ebenso schlaue wie hinterhältige Komponente: Dass die Tomahawks im Persischen Golf abgefeuert werden, heißt nämlich noch lange nicht, dass sie durch den irakischen Luftraum in den syrischen eindringen. Es wäre naiv zu glauben, dass die US-Amerikaner – mit den Möglichkeiten der russischen S-300- und S-400-Systeme, tieffliegende Ziel zu bekämpfen, sicherlich vertraut – ihre Raketen über die offene, ebene Wüstenlandschaft nach Syrien schicken.

Viel naheliegender ist es, dass in die Navigationssysteme der Tomahawks Marschrouten eingespeichert werden, die über Saudi-Arabien, Jordanien, die Golanhöhen und dann weiter über den Anti-Libanon weiter nach Damaskus, Homs und Hama führen. Die israelische Luftwaffe macht es ja vor: Sie nutzt die Deckung der Gebirgslandschaft für Luftangriffe gegen die Infrastruktur im Süden Syriens.Plötzlich hinter einem Gebirgszug hervorfliegende Tomahawks könnten für die syrischen Fla-Systeme vom Typ Buk-2ME ebenso eine Schwierigkeit darstellen wie für die russischen S-400, die an strategisch wichtige Stellungen am Fuße des Gebirges verlegt wurden: Es würde ihnen einfach keine Reaktionszeit bleiben, um 200 oder mehr gegnerische Ziele abzuarbeiten.

Auch die neueste russische Abfangrakete 9M82MW, die die Ziele auch hinter dem Horizont bekämpfen kann, garantiert keinen sicheren Schutz im Falle eines solchen Angriffs, denn sie müsste von einem russischen Frühwarnflugzeug ins Ziel geführt werden. Es könnte aber durchaus passieren, dass eine fernab der Flugbahn der Tomahawks patrouillierende A-50 die Marschflugkörper vor dem Hintergrund der Gebirgslandschaft schlicht und ergreifend nicht erkennt.

Noch unübersichtlicher und unvorhersagbarer wird die Situation dadurch, dass der Raketenangriff der USA auf Syrien durch den Anti-Libanon sicherlich mit der Unterstützung der Luftwaffe Israels stattfinden würde. Dieses Land verfolgt in der Region bekanntlich seine eigenen Ziele.

* Islamischer Staat, auch IS, eine in Russland verbotene Terrorvereinigung

Quelle: https://de.sputniknews.com/zeitungen/20180326320074296-schlag-gegen-syrien-usa/

  1. 27. März 2018 um 00:21

    Obelix an Asterix: „Darf ich…?“ – OKR an Erzengel Michael: „… ?“ 😁

  2. wahrheitssucher777
    27. März 2018 um 07:28

    Was ist mit der „radioelektronischen Blase“, dann fliegt da gar nichts mehr, ja sowas haben auch die Zion-Russen nicht.

  3. Kleiner Grauer
    27. März 2018 um 07:36

    In welchem Kaffeesatz stand das? In Dalmayer Kondomo?

  4. 27. März 2018 um 10:36

    Da sind wir mal gespannt wie Sie die Antwort vertragen werden, welche Sie von den Schutzmächten Syriens bekommen werden.
    Greift bitte an Ihr dummen Vollidioten, danach wird die Welt eine andere sein!

  5. 27. März 2018 um 13:55

    Offenbar hat den Typen (offenbar Reste des Deep State) längst einer in die Suppe gespuckt. Die wollten doch schon vor einer Woche angreifen…

  6. 27. März 2018 um 19:13

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