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Deutsche Seekabel

http://julius-hensel.ch/2017/09/deutsche-seekabel/#more-53177

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Die Selbstverständlichkeit, mit der wir heut tagtäglich aus den Zeitungen telegraphische Meldungen aus allen Teilen der Kulturwelt und vielfach selbst schon aus den unkultivierten Gegenden entgegennehmen, lässt die meisten Menschen gar nicht dazu kommen, sich einmal klar zu machen, welch ungeheure Summe von Intelligenz, Unternehmungsgeist, Mühen und Sorgen erforderlich war, um der Welt den heutigen, wunderbar zuverlässigen Seekabelbetrieb zu schenken.

Hier und da halten wohl Laien die Kabeltelegraphie heut, wo wir die drahtlose Telegraphie besitzen, schon wieder für veraltet, aber jeder Sachkenner wird uns bestätigen, dass davon gar keine Rede sein kann, dass vielmehr beide Arten der Telegraphie sich ergänzen, aber kaum jemals vollwertig zu ersetzen vermögen.

Sollten an dieser Behauptung trotzdem noch Zweifel obwalten, so braucht nur darauf verwiesen werden, wie nach dem Aufkommen der drahtlosen Telegraphie die Vorlegung neuer Seekabel trotzdem nicht ab, sondern immer mehr zugenommen hat. Da ein Seekabel von grösserer Länge ein recht kostspieliger Gegenstand ist — ein transatlantisches Kabel zwischen Europa und Amerika stellt einen Wert von etwa 20 Millionen Mk. dar — so kann man ohne weiteres versichert sein, dass niemand ein neues Seekabel auslegen würde, wenn wirklich die drahtlose Telegraphie dafür in Betracht kommen könnte! Seit etwa 10 Jahren gibt es auch in Deutschland große Gesellschaften, welche sich die Verlegung und den Betrieb grosser Seekabel in fremde Erdteile zur Aufgabe gemacht haben, während bis dahin englische Gesellschaften und englische Kabel die Welt so gut wie vollständig beherrschten. Hierin lag für das politische und das wirtschaftliche Leben eine sehr grosse Gefahr, wie man in weiteren Kreisen erst 1899 erkannte, als während des Burenkrieges England seine nach Süd- und Ostafrika führenden Kabel für lange Monate dem Verkehr entzog oder doch wenigstens insofern entzog, als die darauf beförderten Telegramme einer ungemein strengen, lästigen und kostspieligen Zensur unterworfen wurden. Demgemäss unterstützt das Deutsche Reich alle Bestrebungen zur Schaffung nationaldeutscher Kabel in jeder Hinsicht. Nachdem zuerst im Jahre 1900 ein deutsches Kabel nach Nordamerika geschaffen war, dem 1904 ein zweites folgte, wurde 1905 auch im Verkehr mit Ostasien unsere Abhängigkeit von den englischen Kabeln abgeschüttelt. Der jüngste Schritt auf diesem bedeutungsvollen Wege war die Eröffnung des ersten deutschen Kabels nach Afrika am 21. März ds. Js., eines Kabels, das in absehbarer Zeit berufen sein wird, Deutschland auch im Depeschen-Verkehr mit Südamerika und mit seinen Kolonien an der afrikanischen Westküste (die bisher vollständig auf die englischen Kabel angewiesen sind) auf eigene Füsse zu stellen…..

Quelle und weiter als PDF: Hensel Blog Deutsche Seekabel

Kategorien:Nachrichten
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